Dr. med. Martin Teichert | Dr. med. Corinna Middendorf

Pressemitteilung


Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e.V.

10. Juni 2005 - Internationaler Tag für Kindersicherheit

"Steht das Auto oder fährt es? Kinder sehen es nicht!"

Offenburg, 06.06.2005 - Kinder bis zum sechsten Lebensjahr sind im Straßenverkehr besonders gefährdet, weil sie Bewegung anders als Erwachsene wahrnehmen. Ob ein Auto fährt oder steht können Kinder im Kindergartenalter nicht unterscheiden. "Kinder bis zum sechsten Lebensjahr sollen nicht ohne Betreuung auf Straßen spielen. Nicht nur sie selbst bewegen sich teils unkoordiniert und sind deshalb auf Straßen unberechenbar, sondern sie nehmen Bewegung und damit auch Geschwindigkeit anders wahr", erläutert Dr. med. Martin Teichert vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP).

Vom Kleinkind bis zum Jugendalter gibt es für Eltern bestimmte Regeln zu beachten, die Dr. Teichert für den BKJPP zusammengestellt hat.

Kleinkinder: Herdplatte interessant nur weil Mutti oder Vati kochen
Eigentlich sind Herdplatten - und vor allem heiße - für Kleinkinder gar nicht interessant. Das Problem: sie werden erst durch die Aktivitäten der Eltern auf so gefährliche Dinge wie Scheren, Stromdosen oder eben Herdplatten aufmerksam. Kleinkinder lernen durch Nachahmen: "Eigentlich ist es ein sehr gesundes Verhalten, den Eltern alles nachzumachen. Doch da kann es eben auch mal gefährlich werden. Kleinkinder greifen nicht nach gefährlichen Sachen, weil sie vermeintlich immer Unsinn anstellen, sondern weil sie es abgeschaut haben und ausprobieren wollen", macht Dr. Teichert deutlich. Der Rat des Kinder- und Jugendpsychiaters: "Eltern sollten sich immer bewusst sein, dass sie Vorbild sind. Deshalb ist es gut, wenn sie ihren Kleinkindern immer erläutern was sie gerade machen - die Kinder sind stur und werden über kurz oder lang doch auf eigene Faust nachahmen. Kleinkinder sollen über Vernunft lernen, was gefährlich ist und was nicht." Deshalb sollten Gefahren erläutert werden und im Falle der Herdplatte durch Fühlen auch spürbar und somit konkret erfahrbar gemacht werden - die Hand des Kindes sollte soweit über das Kochfeld gehalten werden, das es die Wärme spürt.

Kindergartenalter: "Bis zur zweiten Laterne - und nicht weiter!"
Kleine Kinder auf der Straße können Bewegung und Geschwindigkeit nicht richtig einschätzen. Aber auch die Orientierung um die Wohnung fällt manchen von ihnen schwer. Deshalb ist mit den Kleinen verbindlich abzusprechen, wie weit sie draußen gehen dürfen. "Spricht man mit den Kindern den Bewegungsradius ab, halten sie sich in der Regel auch daran. So können sie in einem abgegrenzten Areal geschützt ihre ersten Erfahrungen machen", rät Dr. Teichert.

Grundschulalter: Reif für Absprachen
Die Grundschulfähigkeit macht sich auch daran fest, ob Kinder in der Lage sind, Raum und Zeit richtig einzuschätzen und sich an Absprachen zu halten. Grundschulkinder müssen in der Lage sein, allein einen normalen Schulweg an normal befahrenen Straßen zu bewältigen. Bedingung: sie müssen sich orientieren können und auch in der Lage sein, pünktlich anzukommen ohne sich auf dem Weg dauernd ablenken zu lassen. "Trödeln gehört zum Entdecken der Welt, aber es hat Grenzen - und die müssen Eltern ihren Kindern klar machen. Eine Vereinbarung zum Mittagessen um eine bestimmte Uhrzeit zu Hause zu sein, ist daher einzuhalten. Es ist kein Bevormunden, sondern eine gute Übung für das Kind sich an Absprachen zu halten und Zeit richtig einzuschätzen", schildert der Kinder- und Jugendpsychiater.

Den bösen Fremden gibt es seltener als den bösen Onkel
Es ist richtig, den Kindern zu sagen, nicht mit fremden Menschen zu gehen, wenn sie auf der Straße angesprochen werden. Dies sollte aber nicht verdecken, dass zu 90 Kindesmissbrauch vom Bekannten- und Verwandtenkreis ausgeht. "Die beste Waffe gegen Missbrauch ist es, dass Selbstbewusstsein von Kindern zu fördern. Es ist ein Sicherheitsfaktor, denn es fördert das Vertrauen gegenüber den Eltern auch negativ Erlebtes zu erzählen, wenn z.B. Berührungen als unangenehm empfunden werden. Selbstsichere Kinder können über Konflikte sprechen und sich auch wehren, in dem sie "Nein" sagen - und das ist für die seelische Gesundheit eines Kindes überlebenswichtig", macht Dr. Teichert deutlich.

Jugendliche: Körper ist "unkapputbar"
Jugendliche gehen davon aus, dass ihr Körper und ihre Gesundheit unverwüstlich sind: "Ihnen fehlt die Erfahrung, dass körperliche Schäden nicht nur vorübergehender Art sein können. Der zu laute Walkman führt bereits in vielen Fällen bei Jugendlichen zu bleibenden Hörschäden - ein Drittel der Jugendlichen haben mit Symptomen der Schwerhörigkeit zu kämpfen", schildert Dr. Teichert. Der Rat des Experten: "Eltern sollten Fehlverhalten offen und ohne den Ansatz von Kritik entschlossen ansprechen. Gerade Jugendliche fallen in eine Trotzreaktion, wenn sie falsch angesprochen werden. Wenn ein Jugendlicher zu laut Musik hört, muss man ihn nicht gleich mit Fundamentalkritik wie "die Jugend von heute" rhetorisch in die Ecke stellen, aus der er argumentativ nicht mehr herauskommt."

Belegexemplar an die Redaktion erbeten.
Verantwortlich: Dr. med. Martin Teichert, Offenburg

BKJPP-Bundesvorsitzende: Dr. med. Christa Schaff, Vorsitzende des BKJPP, Stuttgarter Str. 51, 71263 Weil der Stadt

Redaktion: JSpress - Joachim Stier, Barthelstr. 64, 50823 Köln, Mobil: 0170/2900 88 3 + Tel.: 0221/430 82 37-6, Fax: 0221/430 82 37-7


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